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Exit aus der Existenz?

“Langsam wird es unheimlich.”, sagt der 43jährige Boulevardzeitung-Leser. “Zuerst die Erdbeben auf Haiti und Chile. Dann dieser unaussprechbare Vulkan… Jetzt die Ölkatastrophe.” Und er hat allen Grund beunruhigt zu sein: Schließlich hat er ein Buch über den Mayakalender gelesen und die Kinodokumentation 2012 fand er auch sehr überzeugend. Und dann hat er da noch so ein Lied gehört, das er selbstverständlich korrekt zu interpretieren wusste. “Die Versuchsanordnung für dieses Experiment // lässt die Ratten sterben, EXIT aus der Existenz.

Der Beunruhigte ist politikverdrossen. Vor allem Lokalpolitiker interessieren ihn überhaupt nicht mehr. 2 Jahre noch, wozu wählen? Wenn er beim Einkaufen ein Produkt mit der Aufschrift “Ablaufdatum: XX.XX.2013″ sieht, schüttelt er nur den Kopf über die Blödheit der Industrie. Auch Freunde hat er keine mehr. Als er ihnen von seiner Theorie erzählt hat, haben sie ihm sofort angeboten ihm Geld zu leihen. “Du bekommst 5000€ und nach 2012 zahlst du mir 10 000€ zurück, ok?” So etwas verletzt den Beunruhigten. Was er nicht weiß, da er die Hintergründe der Wirtschaftskrise nicht verstanden hat: Er hätte es tun sollen. “Für 10 000€ kann man sich 2013 vielleicht einen Laib Brot kaufen, wenn überhaupt.”, würde ihm der Chefredakteur seiner Lieblingszeitung erklären.

Besagten Chefredakteur sieht der Beunruhigte aber nur hin und wieder im Fernsehen. Einen Nachmittag vor Hartz-4-TV und er fühlt sich in seiner Meinung wieder bestärkt. In den Nachrichten hört er von weiteren Missbrauchsfällen: Sollte er aus der kath. Kirche austreten und sich über einige Sekten informieren? “Schließlich gibt es sicher ein paar Erleuchtete, die meine Ängste verstehen und teilen.”, denkt der Beunruhigte. Doch die Sekte will weltliches Geld für den Einzug ins Paradies – in den geforderten Mengen für ihn nicht aufzubringen. So bleibt der Beunruhigte ein melancholischer Einzelgänger, leicht suizidgefährdet, auf den Untergang der Welt wartend.

3 Antworten: Exit aus der Existenz?”

  1. Tim sagt:

    >Hartz-4-TV
    Sagt man das eigentlich auch in Österreich?

  2. sbstn sagt:

    Gefällt, aber du hättest dir ein paar mehr Umschreibungen für “der Beunruhigte” einfallen lassen könne. Wirkt etwas zu gehäuft.

    Ansonsten gute Arbeit!

  3. Max sagt:

    Habe es vor kurzem einmal aufgeschnappt, Tim. Sagen tut das eigentlich keiner.

    Sebastian, das ist eine Anapher! Tz tz tz! Aber gut ich merks mir fürs nächste mal. Danke :)

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