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“Menschenrechte im Strafvollzug” – Kickers ‘Feminismus’

Menschenrechte im Strafvollzug – Recht und Praxis in Europa heißt der Artikel von DDr. Renate Kicker, erste Vizepräsidentin des CPT (Committee for the Prevention of Torture). Das CPT mag ja durchaus wichtig sein, doch Kickers Artikel, welcher im Herbst 2008 in der 151. Ausgabe des Magazins “Denken und Glauben” veröffentlicht wurde, ist meiner Meinung nach für Schülerinnen und Schüler mehr als ungeeignet. Ein sich selbst widersprechender radikal-feministischer Text liegt vor mir, der die heutige Jugend, die ja großteils nicht viel mehr will als Partys und Sex, anscheinend instrumentalisieren soll.

Der Artikel beginnt mit einer kleinen Information zur österreichischen Strafvollzugsanstalt in Leoben. Sie ist, wie es heißt “großzügig ausgestattet” und gilt “als Modell für den österreichischen Strafvollzug”. Ob man ein Gefängnis mit Billardtischen, Fernsehern und Tischtennisräumen ausstatten sollte, kann und soll natürlich jeder hart arbeitende Steuerzahler für sich selbst entscheiden. Weiter geht es mit einer Einführung in die Tätigkeiten des CPT, welches auf “alte wie neue Problemlagen reagiert”. Als Beispiel für diese Problemlagen wird “die steigende Anzahl von Frauen” in Haftanstalten genannt. Vorweg gehe ich davon aus, dass wir von österreichischen Gefängnissen sprechen, da in dem Text ständig Österreich als Beispiel genannt wird. So, nun geht es los.

Die Einführung echter lebenslanger Haftstrafen als Ersatz für die in Europa abgeschaffte Todesstrafe und eine sich daraus ergebende unbegrenzte Haftdauer ohne Hoffnung auf Entlassung sind eben solche Problemfelder, mit denen sich das Expertenorgan auseinanderzusetzen hat.

Erstens wird eine lebenslange Haftstrafe in ihrem Sinne nicht verhängt, um den Verurteilten zu resozialisieren, da dies nicht ihrer Definition entspricht. Inwiefern  dies nun ein Problemfeld darstellt, wird im Artikel nicht weiter erläutert. Zweitens gibt es in Österreich keine lebenslange Haftstrafe ohne die Chance auf Wiedererlangung der Freiheit. §46 Absatz 6 des StGB besagt eindeutig, dass eine bedingte Entlassung möglich ist, sofern bereits 15 Jahre im Gefängnis verbracht wurden.

Der Anteil der weiblichen Inhaftierten liegt um die 5 Prozent, allerdings mit steigender Tendenz. In Ländern von der Größe Österreichs gibt es daher meist auch nur eine Vollzugsanstalt für Frauen. Das bedeutet, dass Frauen ihre Haftstrafe in aller Regel weit von ihrem Heimatort, und damit von ihren Kindern und Familien entfernt, abbüßen müssen. Dies führt zu einer bedeutenden Beeinträchtigung ihrer Kontakte zur Außenwelt, worunter Frauen besonders leiden.

Im Jahr 2008 wurden 21.137 angezeigte Fälle geklärt. (Quelle: Statistik Austria) Wenn wir von den oben erwähnten 5% ausgehen, haben wir damit 1.057 verurteilte, weibliche Verbrecherinnen. Diese Anzahl von weiblichen Verbrecherinnen rechtfertigt keine zweite, eigene Strafvollzugsanstalt für Frauen. Allein die Justizanstalt Wien Josefstadt fasste am 30. August 2007 1226 Inhaftierte (Quelle: Anfragebeantwortung der Bundesministerin für Justiz zum Thema “Aktuelle Häftlingszahlen”). Viel wirtschaftlicher wäre also ein Ausbau der aktuellen Frauenstrafanstalt – die oben angesprochene Besuchsproblematik ist ein Umstand der Freiheitsstrafe, die nicht ohne Grund so heißt. Die Aussage, Frauen würden besonders unter der Beeinträchtigung ihrer Kontakte zur Außenwelt leiden, finde ich unerhört. “Kontakte zur Außenwelt” sind für jeden Menschen wichtig – dies ist geschlechtsneutral zu behandeln.

(…) Die Folge ist, dass Frauen auch die wesentlich höheren Sicherheitsmaßnahmen, die für männliche Gefangene notwendig sind, teilen müssen und das Konzept der dynamischen Sicherheit, wonach Frauen grundsätzlich eines weit geringeren Maßes an Sicherung gegenüber der Außenwelt bedürfen, in der Praxis nicht umgesetzt werden kann.

Dass die Gleichstellung mit dem Mann anscheinend auch seine Nachteile für Frauen hat, ist somit beispielhaft belegt. Feministinnen setzen sich nicht für Emanzipation ein, sondern nur für ihre rosigen Seiten.

Und nun wird es richtig peinlich für DDr. Kicker:

Es ist erwiesen, dass Frauen, wenn sie in eine Haftanstalt eingewiesen werden, kaum Fluchtpläne schmieden und auch ihre BewacherInnen nicht tätlich angreifen.

Letzteres ist definitiv korrekt, da erfahrungsgemäß ein Mann über mehr Aggressionspotential sowie körperliche Stärke verfügt als eine Frau. Ich bitte die Stelle mit den Fluchtplänen im Kopf zu behalten und springe kurz zum Ende des Artikels:

Dem/der geneigten LeserIn sei am Schluss noch ein Buch empfohlen, das auf einer wahren Geschichte beruht (…) Es ist das Buch von Sandra Gregory mit dem deutschen Titel “Frei ist nur der Blick zum Himmel”.

Wie es der Zufall will habe ich ein Exemplar dieses Buches vor mir liegen.
GREGORY, Sandra: Frei ist nur der Blick zum Himmel; übersetzt von Inga-Brita Thiele;Verlagsgruppe Lübbe; Deutsche Erstveröffentlichung

“Plötzlich kamen mir Fluchtgedanken. Wie ich da in der Sonne saß und wartete, dass es mir besser ginge, glaubte ich, Hubschrauber zu hören.” (Seite 149)

“Ich wachte jeden Morgen völlig erschöpft von meinen nächtlichen Fluchten auf. Selbst tagsüber wälzte ich wie besessen Fluchtpläne. Eine Frau, mit der ich mich recht gut angefreundet hatte, sagte mir, sie würde mir in jeder Weise helfen, wenn ich einen Weg fände.” (Seite 196)

Ich hoffe, dass dies aufschlussreich genug ist, was die Treffsicherheit der Einschätzung im Artikel, Frauen würden kaum Fluchtpläne schmieden, betrifft. Auch der sehr vorsichtig verwendete Ausdruck “kaum”, lässt sich vor diesen Zitaten nicht mehr rechtfertigen. Ich zitiere nun wieder aus dem Artikel.

Frauen leiden ganz besonders unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und vor allem auch darunter, den meisten Teil des Tages und der Nacht allein oder mit einigen wenigen Mithäftlingen in ihrer Zelle eingesperrt zu sein.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen gehören nun einmal zu den Grundvoraussetzungen, die gegeben sein müssen, um eine Freiheitsstrafe an einem Verbrecher (ich spreche im allgemeinen Maskulin) zu gewährleisten. Die Behauptung Frauen würden “besonders” unter  jenen leiden (wobei Frauen mit dem Wort “besonders” eindeutig in Relation zu Männern gestellt werden) ist für mich nicht nachvollziehbar. Eine Freiheitsstrafe (um damit zum zweiten Teil des Zitats zu kommen) beinhaltet das Wort Freiheit und Strafe. Wenn Frauen darunter leiden, eingesperrt zu werden, dann tut mir das Leid, dennoch erschließt sich mir nicht, warum hier “Frauen” statt “Menschen” geschrieben wurde.

Meist werden den weiblichen Häftlingen nur Arbeiten in der Küche, in der Reinigung, in der Wäscherei oder sonstige typische Tätigkeitsbereiche für Personen, die keinerlei Ausbildung haben, angeboten.

Ich weiß nicht so recht ob ich über diesen Satz lachen oder weinen soll. Zum Ersten ist ein Gefängnis kein Arbeitsamt, in welchem  einem die Arbeit nach den persönlichen Qualifikationen angeboten wird. Die Küche oder die Wäscherei sind Arbeitsumgebungen in denen jede Frau (eigentlich jeder Mensch) ohne große Einschulung arbeiten kann. Zum Zweiten sind Waschen, Kochen und Putzen die Arbeiten, die in einem Gefängnisbetrieb erledigt werden müssen. Eine Frau, ob studierte Medizinerin oder Schulabbrecherin, wird ihre Arbeit folglich ungeachtet ihrer Qualifikationen verrichten müssen. Nicht, weil man jemanden diskriminieren will, sondern weil es der Zweck erfordert. Zum Dritten arbeiten Männer genau in den gleichen Bereichen, weswegen das Wort “weiblich” in obigem Satz vollkommen fehl am Platze ist. Alternativ könnte man Frauen natürlich körperlich anstrengendere Arbeiten (als bspw. kochen) anbieten, doch dies wäre meiner Meinung nach wirklich eine Diskriminierung da Frauen, was die körperliche Stärke angeht, gegenüber dem männlichen Geschlecht evolutionstechnisch benachteiligt sind. (Dies ist kein Sexismus!)

Der Text setzt fort. Sicher ist es keine schlechte Sache weibliches Wachpersonal auf die “emotionalen Herausforderungen” im Gefängnisdienst vorzubereiten, doch emotionale (und auch moralische) Konflikte gibt es in fast allen beruflichen Situationen. Ich spreche von der Medizin, Rechtswissenschaften und Politik. Erneut verstehe ich nicht, warum man nur Wärterinnen vorbereiten sollte, männliche Wärter aber nicht. Man mag es damit begründen, dass Männer “hart im Nehmen seien”, doch das ist meiner Meinung nach ein Klischee und kein Grund dafür, dass männliche Gefängnisbedienstete diese besondere Vorbereitung nicht genießen sollten. Da Männern, wie oben bereits erwähnt wird, mehr Aggressionspotential zuzutrauen ist, wäre es sogar wichtiger eher den männlichen Bediensteten einen besonderen Kurs anzubieten.

Keiner weiß so gut wie ich, wie es ist 17 Jahre alt zu sein. Wenn man die Aufgabe bekommt, den Text zu lesen, investiert man zu Hause 5 Minuten oder gar erst die Pause vor der Stunde für derartige Aufgaben – so denn überhaupt. Die meisten lesen ihn und packen ihn, ohne darüber nachzudenken, wieder weg. Dazu kommt, dass wir Schüler nicht dazu aufgefordert wurden, den mehr als pauschal geschriebenen Artikel zu hinterfragen. Damit bin ich aber nicht einverstanden und denke meinen Standpunkt nun klar ausgedrückt zu haben.

Ich hoffe, vom Leser dieses Textes nicht ins politisch rechte Eck gesteckt zu werden, da ich an sich viel von Emanzipation und der Frauenbewegung halte. Was mir gegen den Strich geht ist das Manipulative und Extremistische im Artikel der Fr. DDr. Kicker.

Nachtrag: Dieser Artikel hat meine Deutschnote wider Erwarten um eins nach oben korrigiert.

10 Antworten: “Menschenrechte im Strafvollzug” – Kickers ‘Feminismus’”

  1. Tim sagt:

    Dazu einige Anmerkungen:
    Die Ansicht der Autorin hat mit Feminismus nichts zu tun, sondern ist schlicht und einfach sexistisch.

    Zweitens: die Meinungen über menschlichen Strafvollzug mögen stark auseinander gehen, trotzdem sollte die geführte Wiedereingliederung in die Gesellschaft im Vordergrund stehen. Das erreicht man aber sicher nicht, wenn man die Damen und Herren in einer reizarme Umgebung steckt, sprich eine Umgebung ohne Fernseher, Billard und Tischtennis, dann hat man es mit der Integration noch schwerer. Was das für den Steuerzahler bedeutet, ist ersichtlich, erfordert aber mehr kognitive Ressourcen um es nachzuvollziehen – und diese Ressourcen sind rar, wenn man in Rage ist.

    Drittens: einen evolutionären Nachteil haben Frauen gegenüber Männern oder umgekehrt nicht. Das ist ein Widerspruch. Evolutionäre Konkurrenz gibt es nur innerhalb eines Geschlechts.

  2. Nussi sagt:

    Ich hoffe aus tiefstem herzen, dass deine lehrerin den zu gesicht bekommt. Jeder lehrer sollte auf knien betteln, dass ein schüler sich so genau mit einem text auseinandersetzt. Genial gemacht, perfekt argumentiert, fehler aufgezeigt… geht nicht besser.

    hochachtungsvoll

    stefan

  3. Max sagt:

    1. Danke.

    2. Ich habe das Gefühl, es wurde soeben an meinen geistigen Kapazitäten gezweifelt.

    3. Wie würdest du die Tatsache, dass Männer evolutionsbedingt mehr Muskeln bilden als Frauen, denn sonst ausdrücken?

    Edit: Danke Nussi. <3

    Edit 2: Was für dich, Tim, kognitive Ressourcen sind, ist für mich psychologisches Fachwissen.

  4. Tim sagt:

    >Ich habe das Gefühl, es wurde soeben an meinen geistigen Kapazitäten gezweifelt.
    Nein, nur die absolut menschliche Eigenschaft beschrieben, einfachere Denkmuster zu bevorzugen, weil kognitive Ressourcen knapp sind. Das ist vor allem so, wenn man hart ragiert ;)

    >Wie würdest du die Tatsache, dass Männer evolutionsbedingt mehr Muskeln bilden als Frauen, denn sonst ausdrücken?
    So: “Männer bilden mehr Muskeln als Frauen”. Aber das bedeutet nicht, dass sich Männer mehr vermehren, was ein evolutionärer Vorteil implizieren würde.

  5. Max sagt:

    Ich wurde überzeugt. :-)

  6. Joris sagt:

    Beindruckend klare Argumentation. Ich kann deine Unverständnis durchaus nachvollziehen, aber das passiert an jeder Schule.

  7. maddin sagt:

    AMEN maxi =) schade das wir von extremistischen Emanzen (ich entschuldige mic für die ausdrucksweise) wie wir sie heutzutage allzu oft unter Lehrpersonal finden so hinterhältig manipuliert werden^^

  8. Saint-Just sagt:

    Je suis begeistert. Sie machen sich, Herr Max.

  9. strohmi sagt:

    Ich denke wir haben die Diskussion zu diesem Thema beim Gemeinsamen Lunch klar geführt.

    Wobei ich auch die Autorin selbst weniger als manipulative sondern eher als manipulierte Komponente sehe. Dieser Pro-feministische sexismus ist bei vielen Frauen einfach eingebrannt, selbst wenn sie nicht ultra-feministischer Überzeugung sind.

  10. Max sagt:

    @Martin: Mutig das hier so nieder zu schreiben. Ich hoffe von dir bezichtigte Personen schauen niemals auf diese Seite. :-D

    @Saint-Just: Der erste Kommentar von Ihnen, seyt der Jahre eyniger – ich hätte nie gedacht, dass du mal ein positives Wort über diesen Blog verlierst. <3

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